Eine Sommergeschichte
Lia oder das Glück macht manchmal Umwege
Mitte Juni bekamen wir eine Mail, von einer Urlauberin, die auf Rhodos in einer Hotelanlage Katzen gefüttert hatte. Das ist nichts aussergewöhnliches und viele Touristen die ein Herz für Tiere haben tun das. Aber dieser Urlauberin fiel eine Katze auf, die nur noch ein Auge hatte und da sie sehr freundlich war und nicht scheu, hatte sie beschlossen, dass sie dieser Katze helfen wollte. Aber was macht man im Urlaub wo man sich nicht auskennt, kein Auto hat und nicht weiss, wo der nächste Tierarzt ist. Sie versuchte Kontakt aufzunehmen mit einer Tierschutzorganisation über das Internet. Leider erhielt sie keine Antwort und die Zeit war knapp. Nach einer Woche flog sie wieder nach Hause. Die Katze musste dort bleiben, denn ohne Hilfe kann man kein Tier einfach so mitnehmen. Zuhause angekommen liess ihr die kleine Katze aber keine Ruhe. Sie bemühte sich erneut und fand uns dann im Internet. Sie schilderte die Geschichte und fragte, ob es im Nachhinein noch möglich wäre dieser Katze zu helfen. Sie war auch sofort bereit die Kosten zu tragen, falls wir sie finden und eine Behandlung nötig war, mehr noch, sie bot sich auch sofort an, sie in Pflege zu nehmen, falls wir es schaffen sie nach Deutschland auszufliegen. Das berührte uns so sehr, dass wir sofort nachdem wir wussten, wo diese Katze sich befinden sollte versprachen zu helfen. Es war Sommer, also hatten alle Tierschützer vor Ort alle Hände voll zu tun, mit jeder Menge „Notfelle“ und kaum Möglichkeiten eine Katze in einem Hotel zu suchen, zumal ja Katzen tagsüber oft in Verstecken schlafen. Also tat sich erstmal nichts. Nun war es aber so, dass nun auch mir diese kleine Katze nicht mehr aus dem Sinn ging. Eine Mitarbeiterin von uns flog 3Wochen Später auf die Insel. Im Gepäck der Auftrag “finde die Katze und fang sie ein“ ;))So kam sie also mit einer Freundin auf der Insel an und sie fuhren direkt vom Flughafen in dieses Hotel, bevor sie sich auf den Weg zu unserem privaten Tierheim machten, um dort einige Zeit zu helfen. Sie fragten einfach an der Rezeption nach dieser auffälligen Katze mit einem Auge. Dort wusste man sofort um welche Katze es ging und erzählten sie lebe schon 2 Jahre dort und sie würden sich sehr freuen, wenn sie ein schönes Zuhause in Deutschland bekäme. Sicher kam uns dabei zugute, dass die Frau an der Rezeption unsere Tierschützerin aus dem Süden kannte, denn so kooperativ ist nicht jeder. Sie durften eine Box da lassen und man versprach die Katze einzufangen und sich zu melden. Soweit so gut. Ein paar Tage später konnte sie im Hotel abgeholt werden. Unsere Tierschützer waren mal wieder auf dem Weg zum Arzt und Flughafen mit 4Hunden im Gepäck. Als sie im Hotel ankamen, sass die kleine Katze in der grossen Hundebox und sah nicht sehr glücklich aus, mehr noch, sie war ziemlich sauer dort eingesperrt zu sein, was man ja durchaus verstehen kann, denn sie konnte nicht wissen, dass man es nur gut mit ihr meinte. Nun fragen sich einige Leser, warum lässt man sie nicht einfach da? Weil eine Katze die nur noch ein Auge hat, keine allzu lange Lebenserwartung hat als Streuner wenn die Saison vorbei ist und sie selber für ihr Futter sorgen muss, weil die Touristen weg sind. Die meisten fallen dann Giftködern zum Opfer. Und wenn dann wirklich mal eine so eine Chance bekommt, sollte sie diese auch bekommen. In Deutschland wurde die gute Nachricht sofort an die Urlauberin weiter gegeben. Die kleine namenlose Katze hatte nun einen Namen. Sie hiess Lia und die Freude war gross, dass man sie gefunden hatte. Lia kam dann in eine Pflegestelle und da beruhigte sie sich auch wieder und war wieder sehr lieb und zutraulich. Sie bekam alle nötigen Impfungen, einen Chip mit EU Pass wurde gegen Parasiten behandelt und konnte ein paar Wochen später mit Flugpaten ausreisen. In der Zwischenzeit hatte man ein tolles Zuhause für sie in Deutschland gefunden, wo sie ein glückliches Katzenleben leben kann, nachdem sie kastriert worden ist und ihr Auge fachmännisch behandelt worden so dass es kein ständiger Entzündungsherd mehr ist. Ich möchte diese Geschichte aus 2Gründen erzählen. Der erste ist, dass es Urlaubern auf der Insel helfen soll, falls sie mal so etwas erleben mit einem Hund oder einer Katze, die sie gerne adoptieren würden, aber nicht wissen, dass so was überhaupt möglich ist und das Tier so zurücklassen müssen und traurig nach Hause fahren. Doch es ist möglich. Suchen Sie vor der Abreise in den Urlaub die Adresse von einem Tierschutzverein auf der Insel im Internet. Wenn Sie bereit sind mit zu helfen und Verantwortung zu übernehmen, werden wir helfen, dass Sie das Tier nach allen rechtlichen Bestimmungen bekommen. Wir sind dabei allerdings immer auch auf Ihre Mithilfe angewiesen. Indem sie das Tier zu uns bringen oder zum Arzt bringen und auch die Kosten der nötigen Impfungen und Behandlungen zu übernehmen.
Der zweite Grund, warum ich das schreibe ist, dass die Geschichte von Lia zeigt, dass man vielleicht nicht alle retten kann aber für diese kleine Katze hat sich ihr ganzes Leben zum positiven verändert und dafür hat sich der Einsatz von all den Menschen die geholfen haben schon gelohnt. Und so geht es uns bei jedem einzelnen Tier, dem wir in irgendeiner Form helfen konnten.
Danke Janine, dass Du nicht weg geschaut hast, sondern gehandelt hast.
LG Andrea Wegner
www.rhodos-hunde.de

